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Erinnerung an die Geschichte des VPP

Herr Berk erinnerte zum 10. Jahrestag des VPP an die Verbandsgeschichte.

Als 1999 das Psychotherapeutengesetz in Kraft trat, war es still wie nach einem Unfall. Zwar hatten fünfundzwanzig Jahre Kampf um das Gesetz einen ersten Abschluss gefunden, es kam aber keine Siegerstimmung auf. Das Klima war paradox. Als Erster durchs Ziel gelaufen hieß es: Herzlichen Glückwunsch – Sie haben verloren!

Vom Ross zur Kröte – ein Sieg mit Beigeschmack

Was war geschehen? Die Vorstellung, die Psychologie in ihrer Gesamtheit hätte einen Sieg erringen müssen, hatte eine Niederlage erlitten. Durchs Ziel gelaufen war eine einzige Funktion der Psychologie – die Psychotherapie. Alle anderen Funktionen saßen auf der Zuschauertribüne. Das neue Psychotherapeutengesetz war zwar die Rettung in einer rapide ansteigenden Not, es zeigte aber sehr schnell, wie viele Kandarren dem bis dahin manisch-stolzen Ross nun angelegt wurden – das Ergebnis der Aufzäumung durch die Prozeduren des Kampfes um das Gesetz, der Approbation, der KV-Zulassung und schließlichen Verkammerung hieß dann Psychotherapeutin und Psychotherapeut. Eine Demutsübung – vom Ross zur Kröte.

Es gab Politiker in allen Parteien, die uns reichlich undankbar fanden, hatten sie uns doch durch alle Klippen hindurch standhaft geholfen. Aber statt sichtbare Freude zu zeigen, nun in den Augen des Rechtes nicht mehr nur ein nebelhaftes Gespenst zu sein, sondern leibhaftig und für jedes Gericht sichtbar im Sozialgesetzbuch eingearbeitet zu sein, gab es griesgrämige Bedenken. Offenbar war vergessen, wie es eigentlich einige Jahre zuvor noch um die Sache der psychologischen Psychotherapie gestanden hatte: In der Praxis stand sie in voller Blüte, aber rechtlich gab es sie einfach nicht.

Geschichte entsteht durch Ereignisse und es ist unmöglich, die Ereignisse im Einzelnen zu nennen, die tragend und führend im zähen Kampf um das Gesetz waren. Tragend war sicherlich, dass der Kampf nicht aufgegeben wurde trotz Ketten von Niederlagen auf dem Weg dorthin.

Ein Blick zurück - der Anfang des VPP
Die Gründung des VPP 1993 war eine Notwehr. Eigentlich müsste man hierzu die Geschichte des BDP, die Geschichte der Auseinandersetzungen zwischen Psychologie und Medizin und speziell die Geschichte der Auseinandersetzungen zwischen den psychotherapeutischen Schulen darstellen, um deutlich zu machen, was geschehen musste, damit die gesetzlichen Grundlagen zur Ausübung der psychologischen Psychotherapie real werden konnten.
Es geht um eine Geschichte, die eng mit den Entwicklungen der Bundesrepublik nach 1945 verbunden ist. 1945 gab es in Deutschland kein verbreitetes Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Demokratie. 1947 gab es in Stuttgart ein Informationsbureau, wo man sich erkundigen konnte, was Demokratie eigentlich sein sollte – sie war zunächst einmal ein britisch-amerikanischer Import.

Gleichzeitig entstand eine immer stärker tragende Welle in allen Kulturbereichen, an der Entwicklung eines demokratischen Bewusstseins und einer demokratisch organisierten Staatsform mitzuwirken.
Teil dieser Welle war die nach Deutschland zurückgekehrte Psychoanalyse und die Psychologie. Nach 1945 ging es nicht nur darum, eine neue Staatsform einzurichten, es ging darum, eine neue alle tragende Lebensform zu entwickeln. Leben in der Demokratie – Wie ging das?

Große Erwartungen

Auf die Psychologie war dabei bis in die achtziger Jahre hinein eine sehr vielschichtige Erwartung gerichtet, bei der Findung dieser neuen Lebensform behilflich zu sein. Der Bedarf an psychologischer Erklärung und Richtungs- und Wertgebung war enorm. Jedwede Ausübung von Psychologie war zu diesen Zeiten letztlich auf die Findung dieser neuen Lebensform ausgerichtet – auch die Psychotherapie. Die allgemeine Erwartung an die Psychologie förderte und schütze sie für lange Zeit. Psychologisches konnte sich in diesem breiten Interesse ungehindert in jede Richtung entwickeln.
Die gefragte und geförderte Beteiligung der Psychologie in jeder Form an der ‚neuen Gesellschaft‘ machte verwöhnt und für bestimmte spezielle staatslogische Aspekte der Politik blind. Etwa 1965 begannen Kassen, Psychotherapie zu erstatten. Der zeitgenössische Satz ‚Die Neurose sei hoffähig geworden‘, hätte rückblickend hellhörig machen müssen. Von welchem Hof war da die Rede, auf was richtete sich die implizite Verehrung dieses Hofes? Verwöhnung und Blindheit waren noch sehr behilflich bei der Mitwirkung der Psychologie an der am 25. November 1975 vorgelegten Psychiatrieenquete: dipbt.bundestag.de
– Bericht über die Lage der Psychiatrie in der Bundesrepublik Deutschland – Zur psychiatrischen und psychotherapeutisch/psychosomatischen Versorgung der Bevölkerung.
Das Ergebnis der Enquete war niederschmetternd. Eine durchgreifende Fehl- und Unterversorgung der Bevölkerung durch die gesetzlich zuständige Berufsgruppe wurde festgestellt. Im Bericht selbst finden sich umfassende Lösungsvorschläge, wie diese Lage zu beheben sei.

Psychologische Psychotherapie als Gespenst

Dies führte in der Psychologie zu dem Missverständnis, dass mit der in der Enquete in großen Mengen angeforderten Psychotherapie selbstverständlich ‚Psychologische Psychotherapie‘ gemeint sei. Es folgte die Belehrung, dass es darum ging, den für die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung gesetzlich zuständigen Berufsstand von der Anklagebank herunter zu bekommen. Dieser Berufsstand hatte in schneller Selbsthilfe damit begonnen, Psychotherapeuten aus den eigenen Reihen zu kreieren in bestem Willen, ihrer gesetzlichen Aufgabe nachzukommen.

Hier gab es ein erstes Erwachen der Psychologie bei der Feststellung, dass sie in den zuständigen Gesetzen zur gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung überhaupt nicht vorkam. Gesetzlich war psychologische Psychotherapie also ein Gespenst.
Die Lösung des Problems schien vor dreißig Jahren darin zu liegen, mal eben bei der Politik vorbeizuschauen und ein Gesetz in Auftrag zu geben.
Die zeitgenössischen Politiker waren sehr schnell ergriffen durch die Wahrnehmung, wie viele psychologische Richtungen mal eben vorbeikamen und jeweils hellen Auges erklärten, die psychologische Psychotherapie kraft eines auf sie zugeschnittenen Gesetzes in die Hand nehmen zu wollen. Die Politiker der siebziger Jahre stritten den persönlichen Fortbildungswert dieses Vorgangs nicht ab, kamen aber damals zu dem Schluss, dass die Psychologie in ihrer frei entwickelten Vielfalt im politischen Raum überhaupt nicht verhandlungsfähig sei, da sie in ihrer Vielfalt überhaupt nicht in einem entsprechend der Gesetzeslage disziplinierten Zustand sei.

Eine erste Annäherung

In diesem zweiten Erwachen lernten die Psychologen allmählich, schulen- und verbändeübergreifend gemeinsame verhandlungsfähige Positionen auszubilden, mussten aber mit anwachsendem Entsetzen zusehen, was es heißt, als ‚Neuankömmlinge‘ mit seit Bismarck gewachsenen Strukturen, d.h. mit massiven rechtlichen, berufsständisch-machtpolitischen und wirtschaftlichen Besitzständen umgehen zu müssen.
Bis dahin hatte die Psychologie in ihrer entwickelten Vielfalt eine Tugend gesehen, war darin von der Gesellschaft allgemein ja auch unterstützt worden, musste nun aber feststellen, dass sie unter dem speziellen fachlichen Blick der existierenden Gesundheitsgesetzgebung und der gesetzlichen Krankenversicherung wahlweise wie ein unerzogener Pinscher oder wie ein vielköpfiger Drache aussah.

Es gab auch allerlei ernstgemeinte Totschlagsversuche bis hin zu der Verkündung Anfang der neunziger Jahre, der für die Gesundheitsversorgung gesetzlich zuständige Berufsstand habe nun so viele Leute aus den eigenen Reihen zu Psychotherapeuten ausgebildet, dass eine Beteiligung der Psychologie an der Psychotherapie in naher Zukunft nicht mehr notwendig sei.

Der Wunsch nach einem Psychotherapeutengesetz

Dies führte zum dritten Erwachen: Hatte es in der Psychologenschaft bis dahin ein Fülle von Ideen zur gesetzlichen Etablierung der psychologischen Psychotherapie gegeben, gab es ab diesem Point of no Return nur noch eine einzige Idee: Wir brauchen ein Gesetz oder es wird keine psychologische Psychotherapie geben. Dieser plötzliche Wechsel des Aggregatzustandes wurde von vielen Kolleginnen und Kollegen wie eine Art Verrat gesehen.
In dieser Zerreißprobe drohten ernsthafte Spaltungen innerhalb des Berufsverbandes. Die krassen Strukturunterschiede zwischen der entwickelten Medizin und der entwickelten Psychologie/ Psychotherapie mussten sofort randständig werden, um das Zustandekommen eines Gesetzes wenigstens nicht seitens der Psychologenschaft zu gefährden.

Die Rolle der Berufsverbände

Zu diesem Zeitpunkt hatte der Berufsverband (BDP) im Blick der Politik einen schon bekannten Mangel: Er war in seiner Sektions-Struktur zu vielfältig und in seiner Mitgliederzahl erschreckend groß. Man argumentierte, dass der Gesamtverband ja nicht randscharf für die Interessen der Psychotherapie alleine sprechen könne, da er für mindestens zehn andere Gruppierungen (Sektionen) spreche.

Andere, teilweise auf dem Reißbrett neu entstandene Verbände präsentierten sich zu dieser Zeit im Hinblick auf eine zukünftige Organisation der Psychotherapie sehr übersichtlich.
Im politischen Raum gab es zudem Schreckvorstellungen vor einer Art aus Psychologen gebildetem Taifun: Würde man ein Psychotherapeutengesetz machen, stürmten auf der Stelle sämtliche Psychologen der Bundesrepublik unter das Dach der Gesetzlichen Krankenversicherung. das wollten nicht einmal die Psychologen selbst, besonders die nicht, die in ihren Berufen gut verdienten.

Es blieb also nichts anderes übrig, als die Gruppe der psychologischen Psychotherapeuten über ein spezielles organisatorisches Instrumentarium innerhalb des Berufsverbandes sichtbar zu machen. Auch diese Lage führte verbandsintern wieder zu Zerreißproben, da man einen großen Bestandsverlust durch Zellteilung befürchtete.

In den laufenden und anstehenden politischen Verhandlungen musste es aber schnell und zügig gehen: Die konstituierende Sitzung in Frankfurt war am 18. September 1993. Die Delegiertenkonferenz in Rotenburg beschließt am 13./14. November 1993 die Gründung einer neuen Sektion für den „Verband Psychologischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten“, zur Zeit der Gründungsmitgliederversammlung am 12.3.1994 hat der Verband 5.000 Mitglieder, im folgenden Juni 6.400.

Extern hat diese Formation in den Folgeverhandlungen sehr vieles erleichtert. Fachfremden und abenteuerlichen Vorhaltungen konnte sehr viel besser entgegnet werden. Verbandsintern war die Bereitschaft der Gesammitgliederschaft, einer Gründung des Verbandes zuzustimmen der Tatsache zu verdanken, dass es sich beim VPP um den einzigen psychotherapeutischen Verband handelt, der in Beziehung bleibt zu den Kenntnis-Ressourcen der gesamten Psychologie.

 

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