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Punktwertverfall ins Bodenlose

Verständnis für Ärger und Existenznot angesichts der Honorare von drei bis zehn Euro für probatorische Sitzungen der nordrheinischen PsychotherapeutInnen zeigten die Referatsleiter Honorar der AOK Rheinland, Klaus Limpinsel, und der IKK Nordrhein, Andreas Woggon auf einer offenen Podiumsdiskussion im Universitätsklinikum zu Köln.
Von Uschi Gersch, VPP NRW, und Uli Meier, Mitglied des Kreisstellenvorstandes Köln der KV No eingeladen, referierten die Vertreter der beiden Primärkassen, dass sie wegen der von der Politik verordneten Nullrunde die Primärkassen keine Stützung ihrer gesetzlich vorgegebenen Zahlungen für psychotherapeutische Leistungen hätten vornehmen können. Sie seien auch erst Mitte Dezember durch die KV No von der prekären Honorarsituation unterrichtet worden. Allerdings hätten sie von der KV erwartet, dass diese innerhalb des HVM Regelungen für eine gegenseitige Stützung möglich gemacht hätte.
Diesem wiederum widersprach Dr. B. Schmelzer, Vorsitzende des HVM-Ausschusses: die gemeinsam beschlossene HVM- Regelung im fiktiven "Psychotherapietopf" die von den Krankenkassen für Psychotherapie vorgesehenen Anteile an den Kopfpauschalen den PsychotherapeutInnen auszuzahlen, sei eingehalten worden. Durch die Stützung des Punktwertes für genehmigungspflichtige Leistungen seien die Mittel der Primärkassen jedoch ausgeschöpft gewesen. Die Zahl der Leistungserbringer - es handele sich dabei um 17 Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen - habe sich erhöht wie auch die Zahl der von den einzelnen PsychotherapeutInnen abgerechneten Leistungen. Auch sie zeigte Verständnis für die völlig unbefriedigende Honorarsituation der PsychotherapeutInnen, die sie allerdings auch in vielen anderen Arztgruppen ausmachte.

In der intensiv und manchmal auch emotional geführten Diskussion wurden die bekannten Argumente ausgetauscht: PsychotherapeutInnen können nicht "misch"-kalkulieren: jeder Cent weniger für den Punktwert bei probatorischen Leistungen senkt den Gesamtumsatz einer Praxis um 5 %, bei 3,5 % wie jetzt geschehen um 15 %. Da auch der Mindestpunkwert ca. 20 % unter den vom BSG festgesetzten Mindesthonoraren liegt, ergibt sich eine Unterhonorierung von 35 %.
Laut Auskunft der Krankenkassenvertreter soll sich das alles ab 01.07.2004 ändern. Dann würde der Honorarverteilungsmaßstab (HVM) zwischen KV und Kassen nicht mehr nur im Benehmen, sondern im Einvernehmen hergestellt: alle waren sich einig, dass dann alle Leistungserbringer gerecht behandelt werden würde.

KV-Vertreterin wie Kassenvertreter wiesen den Vorwurf energisch zurück, dass PsychotherapeutInnen Leistungen zweiter Klasse erbringen würden. "Somatische wie psychotherapeutische Leistungserbringer werden gleich behandelt. Es gibt keine Bevorzugung, weder die der somatischen Leistungserbringer noch werden Sie bevorzugt werden", so Andreas Woggon. Er hatte seinerzeit mit dem DPTV die IKK- Regelung ausgehandelt, nach der die PsychotherapeutInnen für eine Stunde DM 95,- erhielten. Zur Erinnerung: der BDP hatte mit der TK DM 105,- ausgehandelt mit Zuzahlungsmöglichkeit bis DM 40,00. Seit damals sei die Honorierung insgesamt gefallen. Gute Aussichten?
"Wir hoffen, dass die Krankenkassen zukünftig einsehen, dass sie insgesamt zu wenig Geld einstellen und damit Sie und viele andere Arztgruppen daran hindern, ihrem Sicherstellungsauftrag nachzukommen", warnte Dr. B. Schmelzer.
Die Krankenkassenvertreter wiederum warnten die anwesenden PsychotherapeutInnen, ihrem Sicherstellungsauftrag nicht nachzukommen und die Versicherten ihrer Kassen nicht zu behandeln - oder die PatientInnen zu einem Krankenkassenwechsel aufzufordern. Sie würden jeden einzelnen Fall verfolgen und auf Zulassungsentziehung klagen.
Sie stellten sich jedoch nicht dem Gedankenexperiment zu dem sie vom Kollegen Alexa aufgefordert wurden: ein freier Therapieplatz, zwei PatientInnen melden sich in zwei Telefonleitungen gleichzeitig zur Therapie: eine BEK-Versicherte und eine AOK-Versicherte: wem würden die Kassenvertreter bei Stundensätzen für die BEK-Versicherte von 56 € und die AOK-Versicherte von 10 € den einzigen freien Platz geben?
Die Verweigerung der Antwort war an diesem Abend die Ausnahme. Der Hinweis, dass ab 01.01.2004 die Honorare auf das BKK-Niveau gestützt wurde - so früh es nur eben möglich gewesen sei und dass ab 01.07.2004 eine im Krankenkassensinn höhere Honorargerechtigkeit einkehren würde, wurde dauernd wiederholt.
Die Vertreterin der KV No blieb ebenfalls eine Antwort schuldig: wenn denn im Bereich der Ersatzkassen auch für probatorische Leistungen der Mindestpunktwert ausgezahlt werden konnte, müsste doch nach Adam Riese noch mehr Geld von den Ersatzkassen im virtuellen PsychotherapeutInnentopf sein - und wo denn dieses Geld geblieben sei.

Beide Parteien waren sich einig darin, dass sie die sicher zu leistenden Nachzahlungen für die Leistungen von 2000 bis 30.06.2004 aus ihren Mitteln nicht aufbringen würden oder könnten: die Krankenkassen stellten fest, dass sie die Verträge mit befreienden Wirkung und damit endgültig mit der KV No geschlossen hätten und die Vertreterin der KV stellte fest, dass die eingestellten Mittel schon nicht für angemessene Zahlung der psychotherapeutischen Leistungen bisher noch für die vieler anderer Arztgruppen ausgereicht hätten: eine Rückstellung sei nicht möglich gewesen.
Dennoch: Alle Beteiligten in der trotz des schlechten Wetters gut besuchten Veranstaltung waren sich einig: es ist gut miteinander ins Gespräch zu kommen, Verständnis zu wecken, um neue Verhandlungsleitlinien zu entwickeln.
Angesichts der die Praxisführung bedrohlichen Honorarentwicklung fassten die anwesenden eine Resolution, die sie der PatientInnenbeauftragten der Bundesregierung und Kollegin Helga Kühn-Mengel senden werden: die Honorarsituation gefährdet die psychotherapeutischen Praxen im Kölner Raum und damit die Versorgung der psychisch kranken Menschen.

(urs)

2.3.2004

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