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Schnelles Geld ist schlechtes Geld

Keine Eile mit der Nachvergütung (schon, aber erst nach Berechnung und Vorhandensein des Geldes)
Interview mit Dr. Peter Potthoff, Vorsitzender der KV Nordrhein

Herr Dr. Potthoff, Sie sind stellvertretender Vorsitzender KV Nordrhein und können(wollen) den psychotherapeutischen KollegInnen trotz des BSG- Urteils die Nachvergütung nicht sofort auszahlen?

Das hängt nicht von mir ab, denn ich bestimme nicht, ob jetzt gezahlt wird, sondern es ist vielmehr die Frage, ob gezahlt werden kann und was mit den Nachzahlungen "angerichtet" wird. Für den konkreten Umfang der Zahlungen werden derzeit auf Bundesebene Vorgaben erstellt. Das nachzuzahlende Geld ist bisher im System nicht vorhanden. Diese Geldbeträge sind von den Kostenträgern einzufordern.
Die KVNo hat bislang alles Geld, das die Krankenkassen für Psychotherapie in den jeweiligen Honorarverhandlungen eingestellt haben, vollständig ausgezahlt. Wie sie selbst wissen, reichte das nicht aus und es gab in jedem Quartal eine Quersubventionierung aus dem fachärztlichen Topf in den fiktiven Psychotherapietopf. Woher soll also das Geld für die Nachvergütung kommen, wenn nicht von den Kostenträgern.

Was heißt fiktiver Psychotherapietopf? Werden die psychotherapeutischen Honorare nicht aus der Gesamtvergütung gezahlt?

So vereinfacht kann das nicht betrachtet werden. Die Honorarverteilung hat Geschichte, d.h., sie ist gewachsen: Psychotherapie kam nach dem Gesetz als eine Leistung ins System, die angeblich nicht ausreichend von den bisherigen Leistungserbringern erbracht werden konnte. Es war und ist eine zusätzliche Leistung, die die Krankenkassen ihren Versicherten - zu Recht und sinnvollerweise - zugute kommen lässt, für die sie aber andererseits nicht ausreichend Geld ins System einstellt, d.h. die Gesamtvergütung ist nicht ausreichend erweitert worden. Eine Politik, die Leistungsmenge der KVen zu erweitern, ohne weiteres Geld aufbringen zu wollen, kann niemand in der KV unterstützen oder wollen.

Wie ist die KV No mit diesem Problem umgsegangen?

So hat sich die KV Nordrhein von Anfang an entschlossen, das, was die Kassen zusätzlich zu der bisherigen Gesamtvergütung als psychotherapeutischen Anteil gezahlt haben - d.h. Leistungen aus dem Delegationsverfahren und dazu Leistungen aus dem Kostenerstattungsverfahren - auch an die PsychotherapeutInnen auszuzahlen. Daraus haben wir den Psychotherapietopf gebildet. Die Psychotherapeuten wurden somit in Bezug auf das Honorar behandelt wie andere Fachgruppen auch. Dabei hat sich herausgestellt, dass PsychotherapeutInnen nach 2000 mehr Leistungen erbracht haben als die Krankenkassen für die Zeit vor dem Psychotherapeutengesetz angegeben haben.

Nun bleibt bei den PsychotherapeutInnen dennoch der Eindruck: die ÄrztInnen haben das Geld einfach unter sich aufgeteilt und es ihnen vorenthalten.

Ich betone nochmals, das Gegenteil ist der Fall. Das PT- Honorar wurde sogar zum Teil zu Lasten der ärztlichen Vergütung unterstützt, da - wie schon gesagt - das Geld von Seiten der Kassen nicht ausreichend floss. Die Ärzte haben das den Ärzten zur Verfügung gestellte Geld unter den Ärzten aufgeteilt und das für Psychotherapeuten zur Verfügung gestellte Geld unter den Psychotherapeuten.

Dennoch: die PsychotherapeutInnen werden - nachvollziehbarer Weise - mehr als nur ungeduldig. Sie möchten das Geld, das ihnen nach höchstrichterlichem Spruch zusteht. In Nordrhein sind das ca. 25 % der Vergütung, die die PsychotherapeutInnen für die antrags- und genehmigungspflichtigen Leistungen erhalten haben. Wie lange sollen wir noch auf unser Geld warten?

Solange, bis die Kostenträger zahlen. Denn, alles was vorher ausgezahlt wird, zahlen nicht nur die ärztlichen Leistungserbringer sondern auch die PsychotherapeutInnen selbst ( mit ca. 6 %), die damit ihre eigene Nachvergütung teilweise selbst aufbringen müssten und gleichzeitig die Vergleichsgruppe der FachärztInnen erheblich jährlich im Umsatz schrumpfen ließe und damit wiederum den PT- Punktwert fallen lassen würde. Der einzige Ausweg: die Krankenkassen zahlen die Summe, die sich für 4 ½ Jahre auf ca. 95.000.000 Euro in Nordrhein bealufen soll. Wir hoffen da immer noch auf Einsehen.

Andere KVen haben Rückstellungen gebildet, die KV No nicht. War das fahrlässig? KollegInnen erwägen, den Vorstand der KV No wegen Veruntreuung anzuklagen.

Diese Klage hat keine Erfolgsaussicht, da der Vorwurf nicht zutrifft. Er dient lediglich der Klimavergiftung und hindert am gemeinsamen, sachlichen Einsatz bei Kassen und Ministerium. Wenn denn die KVNo Rückstellungen gebildet hätte, hätte sie damit festgestellt, dass sie im Rahmen der Gesamtvergütung von den Kassen zu viel Geld erhalten hätte. Das Gegenteil war und ist der Fall. Die Vergütung für ärztliche Leistungen ist lediglich dem bescheidenen Umfang angestiegen, den das Gesetz vorgegeben hat. Jede Verringerung der Vergütung der Fachärzte senkt das Einkommensniveau dort und verringert den Mindestpunktwert, der das Einkommen vor Steuern aus der GKV der ÄrztInnen als Vergleichskriterium hat.

Wie sollen denn die PsychotherapeutInnen aus diesem Hamsterrad heraus: egal wo und was sie berechtigt fordern, sie schaden sich?

Das ist die Systematik der KV: eine geringe, gedeckelte Gesamtvergütung lässt augenblicklich nur die die HausärztInnen etwas aufatmen, die Facharztgruppen schwächeln in Teilen mehr als nur deutlich. Und Sie zählen zu den FachärztInnen, obwohl Sie entweder besser in einer eigenen Sektion oder aber in einer eigenen kassenpsychotherapeutischen Vereinigung aufgehoben wären.

Diese Diskussion fand bereist vor dem PsychThG statt. Die Wirklichkeit ist anders. Die PsychothrapeutInnen sind im Facharzttopf, nicht im Hausarzttopf noch im nicht existierendem Psychotherapietopf. Damit sind ihre Leistungen aus dem Facharzttopf zu zahlen. Auch die Nachvergütung?

Ganz sicher nicht: denn in der KVNo - ich betone das nochmals - kommen die Gelder für die psychotherapeutischen Leistungen nicht aus einem der beiden Töpfe, sondern sind klar die Gelder, die die Kassen für die PT einstellen.

Nun verlautet, dass eventuell im Oktober 10 % der nachzuzahlenden 25 % den PsychotherapeutInnen in Nordrhein als Abschlag ausgezahlt werden könnte, das sind ca. 9.500.000 Euro.

Dieses Geld ist nicht vorhanden. Man würde die Fachärzte und somit auch die Psychtherapeuten zwingen, Forderungen vorzufinanzieren, ja sogar eigene Forderungen. Das ist kein gutes Geld. Damit gibt man den Krankenkassen das Signal, es ist noch Geld da (was nicht zutrifft), sie brauchen sich nicht in der Verantwortung zu fühlen, die Leistungen, die sie einzeln bewilligen, auch zu bezahlen. Das reduziert die Vergütung jeder einzelnen Leistungen im fachärztlichen Bereich, weil das Geld von diesen aufgebracht werden muss - auch von den PsychotherapeutInnen und gräbt den Graben zwischen HausäztInnen und FachärztInnen noch tiefer. Das scheint zwar politisch augenblicklich so gewollt, ist aber letztendlich ein Eigentor.

Sind Vergütungstrennung und Hausarztmodelle Eigentore?

Das sollten doch gerade PsychotherapeutInnen am besten wissen. Hausarztmodelle können das Erstzugangsrecht auch zur Psychotherapie untergraben, geben u.U. sogar die Indikationsstellung an eine nicht entsprechend ausgebildete Arztgruppe ab: Irr- und Umwege bis zur Aufnahme einer Psychotherapie lassen sich dadurch sicher eher nicht verkürzen, ebenso wenig wie die nur auf Zuweisung erfolgende Inanspruchnahme fachärztlicher Leistungen. Wenigstens modellhaft müssten diese sogenannten Einsparmodell daraufhin überprüft werden , ob sie die Einsparungen tatsächlich bringen.

In welchen Bereichen sehen Sie als Gynäkologe die PsychotherapeutInnen in ihrer Kompetenz im Rahmen der Regelversorgung nicht ausreichend eingebunden?

Ich habe mich von Anfang an dafür eingesetzt, dass - bereits ehe es die DMPs gab - psychoonkologische Leistungen beim MammaCa Bestandteil der Behandlung sein sollen; selbstverständlich - und das ist Grundvoraussetzung - mit zusätzlichen Geldern ausgestattet. Diese Leistungen können und dürfen nicht an Stelle anderer psychotherapeutischer Leistungen erbracht werden - denn Sie wissen besser als ich, dass die Wartefristen im psychotherapeutischen Bereich inakzeptabel sind. Selbstverständlich sind dieses Leistungen, die im Rahmen von Netzen auch von niedergelassenen KollegInnen erbracht werden müssen. Sie sind keinesfalls Leistungen im psychosozialen Bereich der Krankenhaussozialarbeit oder der hausärztlichen Grundversorgung.

Herr Dr. Potthoff wir danken Ihnen für das Gespräch

Das Gespräch führten Uli Meier und Uschi Gersch

12.8.2004

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