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Gleichbehandlung psychisch Kranker statt Stigmatisierung und Diskriminierung

Zu den Entschließungen des Deutsches Ärztetages

Der 109. Deutsche Ärztetag hat sich die "Aktive Bekämpfung der Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen" zum Ziel genommen und dies unter den folgenden fünf Überschriften im einzelnen begründet:

  1. Psychische Erkrankungen als eine der häufigsten Gesundheitsstörungen werden im Hinblick auf ihre gesundheitspolitische und volkswirtschaftliche Bedeutung für die Weltbevölkerung ein immer größer werdendes Problem.
  2. Die Behandelbarkeit psychischer Erkrankungen hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten entscheidend verbessert.
  3. Trotz guter Heilbarkeit von psychischen Krankheiten sind die von ihnen direkt Betroffenen, ihre Angehörigen und die in der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung Beschäftigten subtilen und offensichtlichen Stigmatisierungen und Diskriminierungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen ausgesetzt.
  4. Für Deutschland ist belegt, dass ein großer Teil von Patientinnen und Patienten aus Scham wegen einer psychischen Erkrankung zu spät oder keine ärztliche Hilfe in Anspruch nimmt.
  5. International und national wird die Bekämpfung von Stigmatisierung und Diskriminierung als ein zentrales Ziel in der Versorgung und Behandlung psychisch Erkrankter angesehen.

Es schließen sich diverse Forderungen des Deutschen Ärztetages an den Gesetzgeber, die Gesetzliche Krankenversicherung, die Krankenversicherungs- und Rehabilitationsträger, die privaten Kranken- und Lebensversicherer sowie an ärztliche Organisationen und Landesärztekammern und alle Ärztinnen und Ärzte an, ihren spezifischen Beitrag zur aktiven Bekämpfung der Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen zu leisten.

Diesen Ansatz kann der VPP im BDP insgesamt nur befürworten. Es ist dringend notwendig, Menschen mit psychischen Erkrankungen auf allen Ebenen zu unterstützen und eine "Gleichstellung und Gleichbehandlung psychisch Kranker in allen Bereichen des öffentlichen Lebens zu gewährleisten" .

Kooperation statt Konkurrenz
Im weiteren gibt es aber doch einige Punkte, die der kritischen Kommentierung von Seiten der Psychologischen PsychotherapeutInnen bedürfen. Der Deutsche Ärztetag macht in einem zweiten Teil der Entschließung unter der Überschrift "Behandlung von Menschen mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen: gegen Stigmatisierung - für Stärkung der ärztlichen Psychotherapie" seine Sorge deutlich, dass die Psychotherapie als Behandlungsverfahren aus der ärztlichen Tätigkeit verdrängt werden könnte. An dieser Stelle möchte sich der VPP entschieden für die Zusammenarbeit von ÄrztInnen und Psychologischen PsychotherapeutInnen aussprechen und gegen einen Konkurrenzkampf zwischen beiden Berufsgruppen, der durch verschiedene Formulierungen in der Entschließung geschürt werden könnte. So wird als Beispiel für "spezifisch ärztliche psychotherapeutische Aufgaben und Schwerpunkte" die Psychotherapie bei Psychosen genannt. Dazu ist anzumerken, dass es längst psychotherapeutische Konzepte gibt, die auch von Psychologischen PsychotherapeutInnen entwickelt und angewandt werden, oft in guter
Kooperation mit ÄrztInnen. So ist der VPP auch an der Vorbereitung und Gestaltung des Berliner Symposiums zur Psychosenpsychotherapie an der Charité beteiligt.

Eine Stärkung der Psychotherapie insgesamt ist erforderlich, wenn man z.B. an Äußerungen einzelner Gesundheitsökonomen denkt, man könne die Psychotherapie aus dem Leistungskatalog der GKV streichen. Im Klartext: Nach Auffassung des VPP kann es nur gemeinsam - nicht gegeneinander - gelingen, die Position der Psychotherapie als effektives und erfolgreiches Behandlungsverfahren zu kräftigen. Dass hierbei der Einfluss der Psychologischen PsychotherapeutInnen auch im Rahmen der kassenärztlichen Versorgung offensichtlich immer deutlicher wird, ist einerseits mit Sicherheit der großen Kompetenz und der sehr guten, qualitätsgesicherten Ausbildung der Psychologischen PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen zu verdanken, andererseits aber auch die Konsequenz aus der Tatsache, dass ihr langer Ausschluss von der gleichberechtigten Teilnahme am kassenärztlichen System zwangsläufig eben zu einem effektiven Nachholeffekt führt. Da ist aber ein Versuch eines Rollbacks, eines Zurückdrängens dieser Entwicklung von Seiten ärztlicher Kollegen nicht zielführend, nicht erfolgversprechend und schon gar nicht der Sache der Psychotherapie insgesamt förderlich.

Fachlich-inhaltlich sieht der Verband eine besondere Chance in der engen Kooperation von Ärzten und Ärztinnen und Psychologischen Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen: Für den psychotherapeutischen Prozess kann es sich durchaus als günstig erweisen, wenn die Psychotherapie und die unter Umständen notwendige ärztliche Mitbehandlung (z.B. durch Medikamente) durch zwei verschiedene BehandlerInnen, z.B. Psychologische PsychotherapeutIn und PsychiaterIn durchgeführt werden. Voraussetzung dafür ist allerdings eine gute kollegiale und kooperative Zusammenarbeit im Sinne der PatientInnen.

Versorgung von Kindern dringend verbessern
Dies gilt vor allem im Kinder- und Jugendbereich: Kinder- und Jugendpsychiater ohne psychotherapeutische Zusatzausbildung sollten die jungen Patienten in Kooperation mit qualifizierten Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen oder Psychologischen PsychotherapeutInnen behandeln. Es gibt absolut keinen Anlass, deren Qualifikation anzuzweifeln oder herabzuwürdigen, die sie im Rahmen der Approbation und/oder des Fachkundenachweises bei den KVen nachweisen müssen. Die desolate psychotherapeutische Versorgung gerade von Kindern und Jugendlichen zu verbessern, sollte gemeinsames Anliegen von Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen, Psychologischen PsychotherapeutInnen und ÄrztInnen sein.

Psychologische PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen sind in 3- bzw. 5-jähriger Zusatzausbildung incl. einem Jahr praktischer Tätigkeit z.B. in psychiatrischen oder psychosomatischen Kliniken hoch qualifiziert, psychische Erkrankungen zu erkennen und zu behandeln und zwar eigenständig und eigenverantwortlich, wie im PsychthG auch festgeschrieben. Daran sollte inzwischen auch von ärztlicher Seite nicht mehr gezweifelt werden. Für die Abklärung somatischer Erkrankungen ist der Konsiliarbericht durch eine ÄrztIn vorgeschrieben. Gute Zusammenarbeit kann nur im gegenseitigen Respekt gedeihen!

Entsprechend können wir die Forderung nach wohnortnaher Versorgung und bedarfsgerechtem Ausbau vernetzter integrierter gemeindenaher Versorgungssysteme für Menschen mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen nur unterstützen, halten es allerdings für sinnvoll und notwendig, auch die Psychologischen PsychotherapeutInnen und die Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen darin gleichberechtigt (zum Beispiel auch in den Leitungsfunktionen) zu integrieren.

Eva Schweitzer-Köhn
Heinrich Bertram
Bundesvorstand des VPP im BDP

2.7.2006

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