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Versorgung psychisch Kranker durch Pharmafirmen?

Das AMNOG macht’s möglich

Der VPP hat sich immer für die Verbesserung der Versorgung schwer psychisch kranker Menschen durch innovative Verträge eingesetzt. Die neueste Entwicklung sehen wir aber sehr problematisch: das AMNOG (Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes, verabschiedet am 11.11.2010 im Bundestag) führt nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit einen Paradigmenwechsel herbei: Pharmaunternehmen können nun direkt mit den Krankenkassen IV-Verträge abschließen. Bisher war dies Krankenkassen und Leistungserbringern vorbehalten. ‚Gewinnorientierte Unternehmen, die im Gegensatz zu Ärzten und Psychotherapeuten nicht an eine Berufsordnung gebunden sind‘, können die Behandlung von psychisch kranken Menschen direkt mitgestalten, problematisiert BPtK-Präsident Rainer Richter in den Web-News der BPtK am 3.12.2010.
Der erste Vertrag dieser Art wurde nun zwischen der AOK und dem "Institut für Innovation und Integration im Gesundheitswesen" (I3G GmbH), einer Tochtergesellschaft der Janssen-Cilag, in Niedersachsen geschlossen. Dort können sich Menschen, die an einer Schizophrenie erkrankt und AOK-versichert sind, in die ‚Integrierte Versorgung Schizophrenie‘ einschreiben. Sie erhalten dann erweiterte ambulante Angebote, wie aufsuchende Behandlung und Rund-um-die-Uhr-Betreuung durch einen ambulanten psychiatrischen Pflegedienst. Ziel des Konzeptes ist es, den PatientInnen ein weitgehend normales Leben außerhalb des Krankenhauses zu ermöglichen. Klingt soweit erst mal gut. Dass die AOK sich eine direkte Tochtergesellschaft der Pharmafirma Janssen-Cilag als Vertragspartnerin ausgesucht hat, ist bei genauerer Betrachtung nicht schwer zu verstehen: die I3G GmbH übernimmt die Budgetverantwortung für die Versorgung aller AOK-Versicherten, die in Niedersachsen an einer Schizophrenie erkranken. Der Vertrag kostet die AOK nicht mehr, als sie aus dem Risikostrukturausgleich für die Behandlung von SchizophreniepatientInnen erhält. Eventuelle Mehrkosten über die Budgetgrenze hinaus werden von der I3G übernommen. Gewinne sind möglich, wenn durch eine rechtzeitige und stärker ambulante Behandlung der Schizophrenie Klinikaufenthalte verkürzt oder vermieden werden. Schizophrenie ist eine der teuersten psychischen Erkrankungen. Es geht also um viel Geld, und das ist bei den Pharmafirmen vorhanden.
Wie die Behandlungspfade im Detail aussehen und ob die PatientInnen neben der medikamentösen Therapie und Psychoedukation auch regelmäßig Psychotherapie oder andere Therapien erhalten, ist laut Web-News der BPtK nicht bekannt. Psychotherapie kommt die Managementgesellschaft kurzfristig teurer als Pharmakotherapie mit Psychoedukation. Langfristig ist Psychotherapie preiswerter und verbessert die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig.
(teilweise aus www.bptk.de/show/4264667.html )

Mittlerweile haben verschiedene PsychotherapeutInnenverbände gegen den ‚Ausverkauf der Psychiatrie‘ protestiert. Der VPP regt an, die Resolution der DGSP zu unterstützen:
www.psychiatrie.de/dgsp/article/Resolution_der_DGSP.html

18.12.2010

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