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Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs legt Empfehlungen vor

Welche Implikationen haben die Empfehlungen der UBSKM für die Psychotherapeutenschaft?

Auf der Webseite

www.beauftragte-missbrauch.de

können sowohl der umfangreiche Abschlussbericht der Unabhängigen Beauftragten
als auch die gut lesbare Kurzfassung desselben heruntergeladen werden, die hier als Quelle herangezogen wird.

Vor dem Hintergrund der 2010 bekannt gewordenen zahlreichen Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs in Institutionen beschloss die Bundesregierung am 24. März 2010 die Einrichtung eines Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich“. Mitglieder dieses Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch“ sind rund 60 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft. Die Bundesregierung setzte zeitgleich eine Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs ein und berief in dieses Amt Dr. Christine Bergmann, Bundesministerin a.D..

Die Unabhängige Beauftragte sollte

Die Empfehlungen der UBSKM beruhen auf der Auswertung vieler Informationsquellen:

Aus dieser Befragung von PsychotherapeutInnen und den Ergebnissen der Gesamtaufarbeitung ergaben sich folgende Informationen:

Insgesamt ergeben sich damit aus Sicht der UBSKM für Psychotherapie die folgenden Anliegen:

Aus den insgesamt erhobenen Informationen und Daten leitet die UBSKM für die
Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung von Opfern sexuellen Missbrauchs u.a. folgende konkrete Empfehlungen ab:

Im eigentlichen Abschlussbericht (S. 141) wird dazu u.a. formuliert:

"Es wird für von sexuellem Missbrauch Betroffene eine Erstattung der Therapiekosten
für folgende Verfahren empfohlen: Kreativtherapien... Körperorientierte Therapien... Traumatherapien... . "

Im eigentlichen Abschlussbericht (S. 143) wird dazu u.a. formuliert:

".. Im Zuge der allgemeinen Diskussion über die Bedarfsplanung von
Ärztinnen und Ärzten denkt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) aktuell
über eine Reform der Bedarfsplanung nach. Auch der Berufsverband deutscher
Psychologinnen und Psychologen (BDP) hält eine Verbesserung der Verteilung von
Praxissitzen für Psychotherapeutinnen bzw. Psychotherapeuten für notwendig. In
schlechter versorgten Gebieten, wie zum Beispiel in ländlichen Einzugsbereichen,
soll die Situation durch eine Umverteilung der Praxissitze und eine Förderung von
Niederlassungen verbessert werden. Diese Entwicklung wird begrüßt. Ein weiterer,
schnell greifender Ansatz wäre, wenn approbierte Psychotherapeutinnen bzw.
Psychotherapeuten, die keine Praxisniederlassung haben, in unterversorgten Gebieten
vermehrt nach dem Kostenerstattungsverfahren abrechnen könnten."

(Der BDP/VPP wurde hier nicht ganz richtig verstanden. Eva Schweitzer-Köhn belegt im Interview zur Bedarfsplanung in Report Psychologie 3/11, dass es nicht um die 'Verwaltung des Mangels' durch Umverteilung der bestehenden Zulassungen gehen kann, sondern um eine gute Bedarfsplanung, die - wenn nötig - neue Kassensitze bringt.)

Im eigentlichen Abschlussbericht (S. 152) wird deutlich, dass diese Ambulanz u.a. niedrigschwellige Ersthilfe bieten soll. Nach einer entsprechenden fachlichen Diagnostik soll aber dann an die niedergelassenen PsychotherapeutInnen weitervermittelt werden.

Diskussion der Empfehlungen

Aus berufspolitischer Sicht lässt sich formulieren, dass die Versorgungslücken und Mängel der psychotherapeutischen Versorgung hier insgesamt gut zusammengefasst wurden.
Als schwierig in der Umsetzung erscheinen die folgenden Punkte:

1. Stundenkontingente

....Erforderlich ist eine Erweiterung der Stundenkontingente in der Regelversorgung insbesondere für komplex traumatisierte Betroffene....

Diese Forderung erscheint ethisch gerechtfertigt, führt jedoch sofort zur Frage der Umsetzungsmöglichkeiten einerseits und der 'Gerechtigkeit' in der Störungsbewertung andererseits. Denkbar wäre theoretisch eine weitere Stufe von Zusatzstunden mit entsprechender Begründung (allerdings störungsübergreifend) mit den zu erwartenden Gegenargumenten seitens der Krankenversicherer.

2. Ambulanzsystem

Wenn ein Ambulanzsystem finanziert und etabliert wird, so ist dies für den Bereich der niedrigschwelligen Sofort- oder Kurzzeithilfe gut, schafft jedoch nicht gleichzeitig mehr Therapieplätze. Es wäre zu überlegen, die Ambulanzen finanziell so auszustatten, dass sie notfalls eigene Therapien bei regionaler akuter Unterversorgung durchführen können.

3. Kostenerstattung

...Erstattung der Therapiekosten für folgende Verfahren: Kreativtherapien... Körperorientierte Therapien... Traumatherapien... .

..Ein weiterer, schnell greifender Ansatz wäre, wenn approbierte Psychotherapeutinnen bzw.
Psychotherapeuten, die keine Praxisniederlassung haben, in unterversorgten Gebieten
vermehrt nach dem Kostenerstattungsverfahren abrechnen könnten. ...

In § 13 SGB V Kostenerstattung, Absatz (3) heißt es:

"Konnte die Krankenkasse eine unaufschiebbare Leistung nicht rechtzeitig erbringen oder hat sie eine Leistung zu Unrecht abgelehnt und sind dadurch Versicherten für die selbstbeschaffte Leistung Kosten entstanden, sind diese von der Krankenkasse in der entstandenen Höhe zu erstatten, soweit die Leistung notwendig war. ..."

Tatsächlich könnte über die Kostenerstattung nach § 13,3 dem Mangel an verfügbaren Psychotherapieplätzen entgegengewirkt werden, da eine große Zahl an approbierten PsychotherapeutInnen zur Verfügung steht, die im Rahmen der derzeitigen Bedarfsplanung keine Zulassung erhalten.

Die Schließung der Versorgungslücken ist längerfristig durch eine verbesserte Bedarfsplanung anzustreben.
Für nicht approbierte KollegInnen (u.a. mit den oben erwähnten weiteren Verfahren) müssten zusätzliche Modelle des geprüften Zugangs etabliert werden..

Dies alles schließt jedoch noch nicht die 'ländliche Versorgungslücke'. Hier müsste erwogen werden, ob PsychotherapeutInnen aus besser versorgten Regionen in das jeweilige ländliche Umfeld 'pendeln' könnten, wie es bereits für die landärztliche Versorgung angedacht wurde. Ein Anschluss an die vorgeschlagenen Ambulanzen oder auch Beratungsstellen würde sich anbieten. Die Finanzierung könnte über die Ambulanzen und/oder Kostenerstattung erfolgen.

Fazit

Insgesamt stellt sich die Arbeit der UBSKM als in kurzer Zeit wichtige Sammlung von fundierten Informationen zu einem gravierenden pathogenetischen Agens - dem sexuellen Missbrauch - dar. Auch die abgegebenen Empfehlungen erscheinen angemessen und überfällig.
Es bleibt abzuwarten, ob der politische Wille ausreicht, um die Empfehlungen umzusetzen und vor allem die notwendigen Mittel bereitzustellen.

Jean Rossilhol
im VPP Bundesvorstand zuständig u.a. für die freien PsychotherapeutInnen

30.5.2011

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