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Stellungnahme des VPP zur ‚wissenschaftlichen‘ Studie der DAK zur Wirksamkeit des Computerprogramms Deprexis bei Depressionen

Mal eben schnell Deprexis anwerfen … und die Depression verschwindet? Der Computer ist kein Psychotherapeut!

Die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) ist zur Zeit bemüht, depressiv erkrankte Versicherte für ein Online-Programm („Deprexis“ von der GAIA AG)  zur Behandlung von Depressionen zu rekrutieren. Gesucht werden für eine Studie der Universität Bielefeld 5.400 betroffene Versicherte. Das Programm dauert ca. 3 Monate. Zum Dank dafür, dass die Teilnehmer einwilligen, an der Begleitstudie teilzunehmen und Fragebögen zu beantworten, sparen sie sich die Teilnahmegebühr von 279 Euro.

In der DAK-Zeitschrift „fit!“ wird in Ausgabe 1/2012 im Interview mit dem Vorsitzenden der GAIA AG massiv für Deprexis geworben: „Das Programm läuft über zwölf Wochen. Man sollte sich pro Woche eine halbe bis dreiviertel Stunde Zeit nehmen…. Die Software fragt den Nutzer unter anderem, wie er mit einer Übung klarkommt und bietet Alternativen an, wenn es nicht so gut läuft... Man muss über 18 Jahre alt sein und natürlich einen Internetzugang haben. Wer nicht ganz sicher ist, ob er wirklich eine depressive Verstimmung oder Depression hat, kann sich auf der Startseite testen. Wir empfehlen, zusätzlich mit einem Arzt oder Psychotherapeuten zu sprechen, um eine Diagnose abzuklären.“

Das fachgerechte Stellen einer Diagnose wird also nur empfohlen, nicht aber zur Bedingung der Teilnahme an einer wissenschaftlichen Studie gemacht? Ein Screening-Instrument mit 9 orientierenden Fragen soll ausreichen? Das ist in der Tat ungewöhnlich und man fragt sich, ob die zu erwartenden (vermutlich positiven) Ergebnisse das Papier wert sein werden, auf dem sie dann gedruckt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Hier scheinen sich zwei gefunden zu haben: eine gesetzliche Krankenkasse, die Kosten für ambulante Psychotherapien sparen möchte und ein kommerzieller Anbieter, der Versuchspersonen braucht.

Deutlich ist auch die Tendenz, sich abzusichern und immer wieder aufs Neue zu betonen, dass das Angebot die psychotherapeutische Behandlung ergänze. Zur Gretchenfrage „Kann Deprexis einen Therapeuten ersetzen?“ heißt es ausweichend auf der Homepage von Deprexis: „Ideal ist es erfahrungsgemäß, wenn die Nutzung von Deprexis durch eine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung begleitet wird. Weil das allerdings aus mehreren Gründen nicht immer sofort möglich ist - z.B. lange Wartezeiten -, haben wir Deprexis so strukturiert, dass es sich auch als Überbrückung von Wartezeiten vor einer Therapie und als erprobter Schritt zur Selbsthilfe eignet. Die Wirksamkeit von Deprexis kann gesteigert werden, wenn es in Zusammenarbeit mit einem Experten eingesetzt wird.“ Einerseits – andererseits. Das erinnert an eine typische Radio Eriwan-Antwort.

Selbstverständlich ist es hilfreich, selber gegen Depressionen etwas zu unternehmen. Auch die eigentliche Psychotherapie findet zwischen den in der Regel ein Mal wöchentlich stattfindenden Sitzungen a 50 Minuten statt, wenn es gilt, Konflikte zu lösen und für Aktivierung zu sorgen. Doch der Unterschied zwischen einem standardisierten Computerprogramm und einer individuellen Begegnung zwischen zwei Menschen leuchtet vermutlich jedem Laien ein. Ganz abgesehen davon, weiß niemand, ob der Teilnehmer weitere ernsthafte Erkrankungen hat, chronifiziert oder eventuell sogar suizidal ist.

Lesen Sie auch die Kritik der Psychotherapeutenkammer Hessen an Deprexis und seinen Werbemethoden: www.ptk-hessen.de/neptun/neptun.php/oktopus/download/557

Inzwischen finden sich einige der dort im Jahre 2009 kritisierten Aussagen und Studien nicht mehr auf der Homepage.

Eva Schweitzer-Köhn
Bundesvorsitzende des VPP

15.2.2012

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