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Patienten stürmen Privatpraxen: Ein Kommentar

Immer mehr psychisch Kranke nutzen Behandlungsplätze in Privatpraxen – als ein Schlupfloch, um schneller eine Therapie beginnen können. Dies berichtete die Ärztezeitung am 30. April 2013.
Sie beruft sich dabei auf Angaben der Bundespsychotherapeutenkammer: Demnach seien die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Kostenerstattung in der Psychotherapie im Jahr 2012 mit 41,2 Millionen Euro etwa fünf mal so hoch gewesen wie noch im Jahr 2003. Kammerpräsident Professor Rainer Richter hatte aus diesen Zahlen den Schluss gezogen: "Ohne die Behandlungsplätze von Psychotherapeuten in Privatpraxen ist oft eine gesicherte Versorgung von psychisch kranken Menschen nicht mehr möglich".
Tatsächlich ist eine Psychotherapie in der Privatpraxis für Kassenpatienten oftmals die einzige Möglichkeit zeitnah behandelt zu werden. Und die Versorgung in diesem Rahmen ist kein „Schlupfloch“, wie es die Ärztezeitung bezeichnet, sondern vielmehr eine Art „Überlaufventil“. Die wenigsten Kassenpatienten wenden sich direkt an Privatbehandler. In den meisten Fällen haben sie bereits den Frust über fehlende Therapieplätze und lange Wartezeiten bei Kassentherapeuten erleben müssen. Zudem sind viele Privatpraxen durchaus intensiv um eine Kassenzulassung bemüht, haben aber mit dem Widerstand der Krankenkassen und der viel zu knapp bemessenen Anzahl der Kassensitze zu kämpfen.
Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Krankenkassen, obwohl sie darauf pochen, dass die Wartezeiten auf einen Therapieplatz kürzer werden müssen, gar kein Interesse daran haben, den beschriebenen Zustand zu ändern; und dass sie den § 13 Abs.3 SGB V missbrauchen, um ihre eigenen Vorstellungen über die Bewilligung einer Therapie und deren Voraussetzungen anzuwenden. Denn ein organisierter Gegenspieler – im Sinne einer Kassenärztlichen Vereinigung – fehlt in diesem Bereich. Obwohl die unbestimmten Rechtsbegriffe der Vorschrift der Arbeit der Therapeuten etwas Raum lassen, haben die Kassenpatienten grundsätzlich einen Anspruch darauf, dass in einer Privatpraxis genauso verfahren wird, wie innerhalb des Kassensystems. Aus diesem Grund müssen alle Entscheidungen des in den meisten Fällen hinzugezogenen Medizinischen Dienstes der Krankenkassen der Qualität und möglichst auch den qualifikatorischen Anforderungen des Gutachtersystems gemäß den Psychotherapie-Richtlinien entsprechen.
Sowohl den leidenden Kassenpatienten, die auf Versorgung hoffen, als auch den finanziell abhängigen Privatpraxen fehlt die Handhabe an den gegebenen Umständen etwas zu ändern.

Marcus Rautenberg

Artikel in der Ärztezeitung:
www.aerztezeitung.de

4.5.2013

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