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Bericht vom Tag der Psychologie am 12. Oktober in Berlin

Am 12. Oktober 2018 fand im Haus der Psychologie in Berlin der Tag der Psychologie zum Thema „Digitalisierung“ statt. Zwei wissenschaftliche Vorträge und ein Barcamp boten zahlreiche Anregungen, um sich mit der Bedeutung der Digitalisierung für die Psychologie, aber auch für die berufliche Praxis von Psychologinnen und Psychologen auseinanderzusetzen. Neben den Referierenden hatten sich zahlreiche Kolleginnen und Kollegen bereit erklärt, eigene Sessions des Barcamps inhaltlich zu gestalten.

Mit Digitalisierung zu mehr Inklusion
In ihrem Auftaktvortrag erläuterte Juniorprofessorin Dr. Leen Vereenooghe, wie Personen mit Behinderungen im Zeitalter der Digitalisierung gefördert und Nachteile ausgeglichen werden können (und müssen). Sie machte deutlich, dass es heute noch mehr als bisher gelte, behinderte Menschen in alle Bereiche des Lebens zu integrieren und eine umfassende Inklusion zu verwirklichen. Dabei spiele, wie sie ausführte, die Digitalisierung eine entscheidende Rolle. Deren Vorteile sieht Dr. Vereenooghe unter anderem im Einsatz von Robotern in Wohneinrichtungen oder sogar in der Psychotherapie.

Als Psychologinnen und Psychologen Stellung beziehen
In einem zweiten Fachvortrag berichtete Prof. Dr. Thomas Kliche darüber, welche Bedeutung aus seiner Sicht die Computertechnologie für unsere Gesellschaft hat. Die Politik, stellte er nachdrücklich heraus, müsse sich viel deutlicher positionieren. Auch die Psychologie, insbesondere den BDP, forderte er auf, sich noch stärker als bisher zu politischen Themen zu äußern. Der Verband könne dadurch zum einen mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erzielen. Zum anderen sei es die Pflicht eines Berufsverbands, zu diesem wichtigen und politischen Thema Stellung zu beziehen.

Session zu einem Beispiel der Online-Beratung
Mit weiteren Facetten des Themas „Digitalisierung“ konnten sich die Teilnehmenden anschließend in den Sessions des Barcamps auseinandersetzen. Auf sehr reges Interesse traf dabei das Thema „Online-Therapie“. Linda Mitterweger, die eine der Sessions zu diesem thematischen Aspekt angeregt hatte, stellte ihr Arbeitsmodell vor (Fragen dazu können an linda@psy-on.de gerichtet werden): Sie arbeitet (neben Einzeltherapien) vor allem mit Paaren, die eine Fernbeziehungen führen. Für ihre Paarberatung können sich die Beteiligten per „Yezimed“ einwählen – eine gute Möglichkeit für Partnerinnen und Partner, die weit voneinander entfernt wohnen, gemeinsam mit ihrer Therapeutin an ihrer Beziehung zu arbeiten.

Am Ende einer regen Diskussion bestand unter den Teilnehmenden der Session Einigkeit über mögliche Vorteile des beschriebenen Vorgehens:

Zudem kann die Therapeutin ortsunabhängig arbeiten und damit ihren Aktionsradius erweitern. Selbst bei einen Umzug kann die Therapie fortgesetzt werden. Außerdem entstehen weniger Kosten, da die Miete für die Praxisräume entfällt. Linda Mitterweger bietet zurzeit zwei Möglichkeiten der Online-Beratung an: zum einen einmalige Sitzungen, zum anderen Paketpreise, die mehrere Sitzungen umfassen und deshalb wesentlich günstiger sind. Um ihr Angebot bekannt zu machen, gestaltet Mitterweger einen Blog zum Thema „Fernbeziehungsberatung“ und macht in verschiedenen Suchmaschinen auf sich aufmerksam.

In der Session wurde als Idee die Frage diskutiert, ob die Online-Beratung nicht eine Möglichkeit für PiA sein könnte, während der Therapieausbildung zusätzliche Erfahrungen zu sammeln und gleichzeitig ihre finanzielle Situation aufzubessern. Linda Mitterweger stellte dabei noch einmal deutlich heraus, dass die Online-Beratung keine Therapie bei schweren psychischen Störungen ersetzen könne.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang zudem, zu erwähnen, dass der BDP ein Gütesiegel im Bereich Online-Interventionen anbietet, das auch auf der eigenen Homepage veröffentlicht werden kann.

Gunter Nittel
Vorsitzender des VPP

29.10.2018

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