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Bericht „Wie sieht die Zukunft der Akut- und Notfallversorgung aus?“

Am 16.05.19 war in Berlin das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) Gastgeber der Veranstaltung „Wie sieht die Zukunft der Akut- und Notfallversorgung aus?“. Unter der Moderation von Egbert Maibach-Nagel vom Deutschen Ärzteblatt wurde die „Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland“ (SmED) und andere Versorgungsstrukturen vorgestellt. Die wichtigsten Aussagen werden in diesem Bericht zusammengefasst.
Dr. Stephan Hofmeister begrüßte das Publikum, das unter anderem aus Mitarbeitern Kassenärztlicher Vereinigungen (KV), Krankenkassen, Berufsverbänden und Trägerstrukturen bestand. SmED werde als medizinische Ersteinschätzung und Vermittlungstool erprobt. Es sei eine Software, die medizinisches Fachpersonal bei der Ersteinschätzung von PatientInnen evidenzbasiert unterstütze. Alle KVen werden laut Hofmeister SmED nutzen. Das Ziel sei eine schnelle und zielgerichtete Vermittlung von medizinischer Hilfe. Schnittstellen zwischen der Telefonnummer von ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117, der Notfallnummer 112, der Terminservicestelle (TSS) und der digitale Fallakte, elektronische Patientenakte seien in Diskussion. Auch der „Gemeinsame Tresen“ verschiedener Praxen und Krankenhausabteilungen solle vorangebracht werden. Hofmeister betonte: „Das schwindende Gut Arztzeit nutzen.“
Dr. Dominik Graf von Stillfried vom ZI stellte daraufhin SmED, das ab Mitte des Jahres genutzt werden solle, näher vor. Um den Anstieg der Direktinanspruchnahmen in ambulanten Notfallaufnahmen seit Abschaffung der Praxisgebühr 2012 zu lenken, bedürfe es einer Kombination von gemeinsamen Anlaufstellen (z. B. durch einen gemeinsamen Tresen) und einem Telefon-Triage-System, mit dem eine Ersteinschätzung bzw. Steuerung erreicht werden könne. SmED, dass vom schweizer „Swiss Medical Assessment System“ (SMASS) abstamme, erfülle die nötigen Kriterien: hochsensitive Erkennung, spezifische Zuweisung, einfache Dokumentation und Algorithmenbasierung. Vertragspartner zur Weiterentwicklung seien die „Health Care Quality Systems GmbH“ (HCQS) und das ZI. Eine digitale Variante sei geplant. Normale Terminvergaben, z. B. in psychotherapeutische Praxen, seien mit SmED nicht angedacht. Die Entwicklung werde im Rahmen des DEMAND-Projekts evaluiert. Zudem stehe das ZI in regem Austausch mit den KVen. Stillfried wich zunächst der Frage aus dem Plenum nach der Datensicherheit durch die Weitergabe von Daten an verschiedene Systeme aus. Das Einverständnis werde vom Patienten erfragt. Später ergänzte er, dass SmED ein Programm sei, das auf einem zentralen Server laufe, um in der aktuellsten Version verfügbar zu sein. Patientendaten würden nicht auf dem zentralen Server gespeichert, sondern nur auf dem lokalen System. SmED nutze ein Synonym, um die Daten miteinander zu verbinden.
Sandra Schwenke (KV Bremen) und Vicky Schmelzer (KV Sachsen-Anhalt) berichteten folgend von den Testerfahrungen mit SmED in der ambulanten Notfallaufnahme Bremen und in der Bereitschaftszentrale Sachsen-Anhalt. Schwenke: „Super gute Erfahrungen“, auch mit ungelernten Arbeitskräften (SmED ist derzeit nur für gelernte Arbeitskräfte konzipiert). Das Programm arbeite nicht in Diagnosen, sondern mit Symptomen. Es kläre lebensbedrohlichen Symptome zuerst ab, dann die weniger bedrohlichen. Dies erleichtere das Arbeiten, ggf. könne bei einem weniger bedrohlichen Zustand das Assessment bereits früher abgebrochen werden. Nach dem Assessment würde dem Personal per PDF Empfehlungen gegeben und Selbsthilfemaßnahmen vorgeschlagen werden, die dem Patienten/der Patientin mitgeteilt werden könnten. Im Schnitt würde 2 Minuten pro Fall gebraucht.
Dr. Thomas Schröter, KV Thüringen, widersprach seinen VorrednerInnen. Seit 2016 würden die ambulanten Notaufnahmen in Krankenhäusern einen Rücklauf der Fallzahlen verbuchen. Aus Sicht der KV Thüringen sei also keine Reform notwendig. PatientInnen könnten außerdem gut zwischen 116117 und 112 unterscheiden. Eine Zusammenlegung ergebe nach Schröter keinen Sinn. Weiterhin wies er darauf hin, dass 24/7-Lösungen in Thüringen mit den Ressourcen und der tatsächlichen Inanspruchnahme nicht umsetzbar seien.
Dr. Ralf Blomeyer, Institut für Notfallmedizin der Berufsfeuerwehr Köln, argumentierte ähnlich. Aus Sicht des Rettungsdienstes sei eine Zusammenlegung der Nummern nicht möglich. Sowohl gesetzlich als auch organisatorisch. Da jedoch 30% der Fälle, zu denen Rettungsdienste gerufen werden, keine echten Notfälle seien, halte er SmED für ein gutes Hilfs-Tool, mit dem die Rettungsdienststelle im Test gute Erfahrungen gemacht habe.

Julia Zick

4.6.2019

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