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VPP-Stellungnahme zum verabschiedeten Tabakwerbeverbot

Es ist eine Enttäuschung für alle Fachorganisationen und Initiativen, die sich seit Jahren für ein Tabakwerbeverbot in Deutschland stark machen und ihre Stellungnahmen zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes einreichten: Am 3. Juli 2020 wurde im Bundestag eine nur stufenweise Verschärfung des Tabakwerbeverbots beschlossen. Zwar soll ab 2022 Werbung für herkömmliche Tabakprodukte im öffentlichen Raum – auf Plakaten und Außenflächen – verboten sein, für Tabakerhitzer soll das aber erst ab 2023 gelten, für E-Zigaretten sogar erst ab 2024. Auch das Werbeverbot im Kino, das ab 2021 in Kraft tritt, gilt nur für Filme, die für unter 18-Jährige freigegeben sind. Im Fachhandel darf zudem weiter geworben und plakatiert werden.
Es nicht akzeptabel, der Zigarettenindustrie noch Jahre Zeit zu geben, tabak- und nikotinhaltige Produkte zu bewerben. Nicht akzeptabel ist, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene durch diesbzgl. Werbung zu einer schwerwiegenden Sucht mit tödlichen Folgeerkrankungen animiert werden. Der Staat hat seine Schutzpflicht vor schwersten Erkrankungen in Folge psychischer und körperlicher Abhängigkeiten nicht umgesetzt.
Der VPP im BDP e.V. setzt sich weiterhin ein für ein sofortiges und umfassendes Werbeverbot für Tabakprodukte, e-Zigaretten (mit und ohne Nikotin) und Tabakerhitzer:

  1. Keine Plakate- und Litfasssäulenwerbung
  2. Keine Promotionswerbung und kein Sponsoring
  3. Keine Werbung an Verkaufsaußenflächen und in Verkaufsräumen
  4. Keine Verkaufsmöglichkeit in Kombination mit Waren für Kinder/Jugendliche (z.B. Kioske, Drogerien)
  5. Verpflichtung zur Sichtbarmachung und Kennzeichnung der gesundheitlichen Folgen
  6. Keine Werbung im Kino

Hintergrundinformationen:
Die Werbeausgaben der Tabakindustrie in Deutschland haben aktuell ihren Höhepunkt erreicht (mehr als 247 Mio €). Der größte Werbeanteil fließt dabei in sogn. Promotion (z.B. riesige Stände bei Musikfestivals). Hier wird aktuell 40 % mehr investiert als 2008.
Aktuelle-Zigarettenprodukte (z.B. Juul) verwenden sogn. Nikotinsalze, welche reizfreier und tiefer eingeatmet werden können – trotz gleichzeitig sehr hohem Nikotingehalt. Dies führt zu verstärktem psychischem Abhängigkeitsrisiko bei e-Zigaretten und ist vermutlich bewusst gewollt. Auch nikotinfreie e-Zigaretten enthalten häufig krebsauslösende Stoffe (z.B. Formaldehyd). E-Zigaretten werden in immer größeren und zentral platzierten Ladenflächen als medizinisch cleanes Produkt verharmlosend vermarktet.
Rauchen verursacht mindestens 13 Krebsarten. 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle werden durch das Rauchen hervorgerufen. Zudem ist das Rauchen die bedeutendste Ursache für die Entwicklung einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Die langfristigen Folgen der verschiedenen Inhaltsstoffkombinationen der tief inhalierten Aerosole in e-Zigaretten sind noch unbekannt.
Im Europäischen Vergleich ist Deutschland in der aktuellen Tabakkontrollskala auf den letzten Platz gerückt. Knapp 30 % der jungen Erwachsenen (18 bis 25 Jahre) rauchen. Bereits vor 16 Jahren hat sich Deutschland international verpflichtet, Werbung im öffentlichen Rauch zu unterbinden und hat dies als einziges EU-Land noch nicht umgesetzt.

Datenquellen:
Aktueller Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2019
Aktuelle europäische Tabakkontrollskala 2019

Susanne Berwanger
Vorstand des VPP

8.8.2020

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