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Stationäre Psychotherapie als Akutbehandlung

Der folgende Text bezieht sich auf den am 14.3.03 in diesen Seiten veröffentlichten Brief an den KBV-Ausschuss Psychotherapie und pointiert die Inhalte dieses Briefes in Form grundlegender Zielvorstellungen, um so eine bessere Klarheit zu erreichen.

Psychotherapie ist als Krankenbehandlung definiert (§27 SGB V). Im Bereich der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung sind Psychotherapeuten und Fachärzte weitgehend gleich gestellt (§72 SGB V). Vor diesem Hintergrund erscheint es fast als selbstverständlich, diese Gleichstellung auch für den Fall vorzusehen, wenn eine Krankenhausbehandlung erforderlich wird, "weil das Behandlungsziel nicht durchteilstationäre, vor- und nachstationäre oder ambulante Behandlung einschließlichhäuslicher Krankenpflege erreicht werden kann" (§39 SGB V). Diese Gleichstellung ist im Bereich der Psychotherapie bisher nicht vollzogen. Wenn z.B. ein Patientwährend einer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung in eine psychische Krise kommt, die mit Mitteln der ambulanter Behandlung nicht mehr zubewältigen ist, kann nur ein Arzt ihm die Notwendigkeit einer Krankenhausbehandlung bescheinigen und im Krankenhaus kann die Behandlung nur unter der letzten Verantwortung eines Arztes erfolgen. Nur der Arzt kann der Kasse gegenüber die Krankenhausaufnahme rechtfertigen und die Krankenhausleistungen zur Kostenbewilligung bescheinigen.Es ist nicht einzusehen, warum im Bereich der stationären Behandlung psychischer Störungen nicht auch Psychotherapeuten in der gleichenFunktion tätig werden können. Um dies zu erreichen, sind jedoch noch noch einige Voraussetzungen zu schaffen. Dies sei durch die folgenden Zielvorstellungen aufden Punkt gebracht.

Jede Facharztgruppe hat die Möglichkeit, Patienten mit akuter Symptomatik in Krisensituationen (psychische und/oder körperliche Instabilität sowie bei kritischen Bedingungen des Umfeldes), die im Rahmen derambulanten Versorgung nicht zu diagnostizieren und/oder zu behandeln sind (§ 39SGB V), in ein Krankenhaus mit entsprechender Fachabteilung und entsprechendenFachärzten einzuweisen, um sie nach erfolgter Diagnostik und/oderKrisenbehandlung bei entsprechender Indikation ambulant weiterbehandeln zu können. Nach (§73 SGB V) Abs. 2 SGB V gehört die Verordnung von Krankenhausbehandlung ausdrücklich nicht zu den Aufgaben von Psychotherapeuten. Dies ist zu ändern.

Psychotherapie ist Teil der ärztlichen Behandlung (§ 27 SGB V) und somit dersomatisch orientierten (medizinischen) Behandlung gleich gestellt.  Gemäߧ 39 SGB V Abs. 1 umfasst die die Krankenhausbehandlung "... im Rahmen des Versorgungsauftrags des Krankenhauses alle Leistungen, die im Einzelfall nach Art und Schwere der Krankheit für die medizinische Versorgung der Versicherten im Krankenhaus notwendig sind, insbesondere ärztlicheBehandlung (§ 28 Abs. 1),...". Diese Formulierung ist so zu verstehen, dass auch die psychotherapeutische Behandlung in die ärztliche Behandlung miteinbezogen ist. In den Versorgungsaufträgen der Krankenhäuser ist dementsprechend auch die psychotherapeutische Behandlung mit einzubeziehen. Im Verzeichnis der Leistungen und Entgelte für die Krankenhausbehandlung (§39 Abs. 3) ist die psychotherapeutische Behandlung entsprechend zu berücksichtigen.

Medikamentöse Therapie kann keine Bedingung stationärer Behandlung sein. Psychotherapeutische Behandlungsmaßnahmen einschließlich der psychotherapeutischen Diagnostik im Rahmen stationärer Behandlung müssen von den Kassen in gleicher Weise anerkannt und finanziert werden wie Maßnahmen der medikamentösen Behandlung oder andere somatisch orientierte Behandlungsmaßnahmen.

Im Bereich der vertragsärztlichen Versorgung sind Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten auf Bundesebene den Fachärzten sozialrechtlich gleich gestellt (§ 72 SGB V). Für die Regelungen in Krankenhäusern sind die Länder zuständig. Hier ist am Beispiel NRW durch das KHG-NRW dem Abteilungsarzt bzw. der Abteilungsärtzin die Verantwortung für die Behandlung der Patienten und Patientinnen seiner/ihrer Abteilung übertragen (36 Abs. 1). Für Abteilungen, die Patientinnen und Patienten behandeln, bei denen Psychotherapie angezeigt ist, können neben der Abteilungsärztin oder dem Abteilungsarzt Psychologische Psychotherapeutinnen oder -therapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen oder -therapeuten bestellt werden, die bei der Untersuchung und Behandlung dieser Patientinnen und Patienten eigenverantwortlich und selbständig tätig sind (§ 36 Abs. 3). Zu fordern ist, dass PsychotherapeutInnen für ihren Bereich der Psychotherapie in gleicher Weise wie Fachärzte berechtigtsind

Das Dienstrecht ist an die Gleichstellung von Psychotherapeuten mit denFachärzten anzupassen. In den Stellenplänen im Bereich stationärer Psychotherapie sind Psychotherapeuten und Fachärzte in gleicher Weise zu berücksichtigen.Die tariflichen Regelungen sind anzugleichen.

Es ist unökonomisch wie auch für den Verlauf einer psychotherapeutischen Behandlung wenig nützlich, wenn stationäre und ambulante psychotherapeutische Behandlung getrennt voneinander erfolgen. So weit wie möglich sollte eine Kontinuität in der psychotherapeutischen Beziehung gewährleistet sein. Einerseits wäre dies möglich, wenn ambulant tätigen Psychotherapeutendie Möglichkeit gegeben wird, ihre Patienten auch im stationären Rahmenweiter zu betreuen oder sich intensiver mit den stationär behandelnden Psychotherapeuten abzustimmen (Modelle wie Belegbetten, Konsiliardienst, Liaisonsdienst, Übergabegespräche, Helferkonferenzen). Andererseits solltees möglich sein, dass im stationären Bereich tätige Psychotherapeuten ihre Patienten auch noch nach der Entlassung aus der stationären Behandlungambulant weiterbehandeln können oder dass Patienten Gruppenangebote aus dem stationären Bereich ambulant weiterführen können. Eine gemeindenahe stationäreVersorgung erscheint in diesem Zusammenhang als selbstverständlicheForderung.

HWS

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